Symposium: Integration - Religion - berufliche Bildung
05. - 06.10.2011, Tübingen

Durch die beiden Tage geleiteten moderierend und kommentierend die Leiter der beiden Institute, Prof. Dr. Friedrich Schweitzer MA und Prof. Dr. Dipl. Päd. Albert Biesinger.

Herr Prof. Dr. Philipp Gonon (Universität Zürich) referierte im Anschluss über „Gesellschaftliche und religiöse Pluralität“ und schlug dabei einen Bogen von der historischen Kontingenz des Religionsunterrichts an der Berufsschule im 19. Jahrhundert zu aktuellen Fragestellungen am Beispiel der Schweiz, wo die allgemeinbildenden Anteile der beruflichen Bildung zusammengefasst im Fach „allgemeinbildender Unterricht (ABU)“ stattfindet.

Herr Ministerialdirigent Klaus Lorenz sprach als Vertreter des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg anschließend zum Thema „Integration, Religion und berufliche Bildung aus der Sicht der Kultusverwaltung“. Für das Publikum von hohem Interesse waren hierbei insbesondere die statistischen Daten im Hinblick auf prognostizierte Abnahme und Veränderung der Schülerschaft und sich hieraus ergebende Herausforderungen – für die Berufsbildenden Schulen allgemein sowie für den Religionsunterricht im Speziellen. Die Religion, so wurde deutlich, nimmt einen gewichtigen Stellenwert ein im Zusammensein der Kulturen.

Der folgende Beitrag von Prof. Dr. Peter Sloane (Universität Paderborn) war betitelt mit: „Wirtschaft, Ethik, Religion in der kaufmännischen Ausbildung: Eine Positionsbestimmung.“ Am Beispiel des von ihm gewählten Lernfeldes charakterisierte Sloane einen spezifischen Umgang mit Bildungszielen. Er zeigte hierbei die Anschlussfähigkeit von Religion und Wirtschaft auf und thematisierte zuvor den bestehenden Klärungsbedarf. Wichtig sei, dass Lehrer im Team und im Dialog bleiben und selbst als Experten Konzeptionelles entwickeln.

Frau Ministerialdirektorin Dr. Margret Ruep (Amtschefin des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg) betonte in ihrem Grußwort zu Beginn des zweiten Symposium-Tages die Bedeutung des berufsbildenden Schulwesens, wo, darauf wies Ruep hin, inzwischen rund die Hälfte der an den Hochschulen eingeschriebenen Studierenden ihre Zugangsberechtigung zum Studium erwerben. Für viele Schülerinnen und Schüler, insbesondere mit Migrationshintergrund, erwiesen sich die verschiedenen Berufsbildenden Schulen als die Aufstiegsmöglichkeit. Den Religionsunterricht dort würdigte Ruep als besonders bedeutsam aufgrund der Persönlichkeitsbildung, die den Schülerinnen und Schülern hier ermöglicht wird.

Zu ethnischen Vorurteilungsstrukturen und deren Entwicklung in Klassen mit hohen Migrantenanteilen stellte Dr. Martin Kenner (Universität Stuttgart) Forschungsergebnisse aus einem Unterrichtsforschungsprojekt in verschiedenen beruflichen Schularten vor, die zeigen, wie schwierig der langfristig nachhaltige Abbau von Vorurteilen ist und dass die Chance auf Revidierung geringer wird, je xenophober bzw. rassistischer solche Vorausurteilungsstrukturen sind.

Als letzter Referent ging Prof. Dr. Alfons Backes-Haase (Universität Hohenheim) sprachlich differenziert und systemisch argumentierend auf Beruf und Kultur – zur berufspädagogischen Reflexion interkulturellen Lernens ein. Dem Paradox zwischen Individuum einerseits und von außen vorgegebenen Lernzielen andererseits lässt sich demnach nur durch eine Formulierung von Lernzielen begegnen die es dem Einzelnen ermöglicht, seine Individualität zu fassen.

Das von Prof. Dr. Friedrich Schweitzer gezogene Fazit sowie die Abschlussdiskussion zwischen den anwesenden Experten – darunter neben den Referierenden der beiden Tage und anderen kirchliche Berufsschulreferenten, Schuldekane und Forschende verschiedener Disziplinen – verdeutlichten die Existenz zahlreicher Berührungspunkte zwischen Berufspädagogik und Religionspädagogik, insbesondere beim Thema Integration, und den daher gewinnbringenden Dialog zwischen den Disziplinen. Integration war expliziter Hintergrund und Horizont aller Beiträge – weniger explizit war immer wieder das komplexe Verhältnis von Religion und Kultur in diesem Bereich Thema.

Das Symposium entwickelte und verdeutlichte im interdisziplinären Diskurs die berufsqualifizierende Funktion der Religionspädagogik und ihren spezifischen Beitrag zur Ausbildung Jugendlicher und Erwachsener im vielfältig ausgestalteten Übergang vom Erziehungs- ins Beschäftigungs- oder Hochschulsystem.

 

Bericht: Georg Wagensommer (EIBOR) und Simone Hiller (KIBOR)


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